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  • Christoph Raethke

Folge 12: Was man beim ersten für das zweite Investment tun muss.

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Photo by Nong Vang on Unsplash


Wie wichtig und unterschätzt das Thema „Investment-Plan“ oder auch „Funding Story“ sowohl für Gründer als auch Angels ist, ist mir vorletzte Woche anhand von zwei Präsentationen wieder aufgefallen. In der ersten stellte ein Designer ein hervorragendes neues Sportgerät vor. Alles daran war sorgfältig geplant und mit modernsten Materialien gebaut; entsprechend lag der Preis in den hohen vierstelligen Summen. Einen Prototypen hatte man, jetzt brauche die Firma Investment für die erste Serie. In der zweiten Präsentation ging es um ein neues Getränk, das sich bereits hervorragend verkaufte. Auch hier war die erste Tranche verkauft und das Kunden-Feedback begeistert – und nun musste mehr Geld her.


Gemeinsam hatten beide, dass die Vortragenden Profis in ihrem Geschäft waren und die Slides schön gestaltet; beide hatten sogar Videos in hoher Qualität mitgebracht. Was beiden allerdings fehlte, war eine Vorstellung davon, wie aus ihrem Geldbedarf ein gutes Angebot für Investoren wie mich werden könnte. Beide verstanden unter einem Investoren-Pitch offenbar, ihr Gegenüber von der Qualität ihres Produkts zu überzeugen – der Rest würde sich dann schon ergeben.


Ich hatte das Thema schon mal in Folge 6 besprochen, als es um den Exit, also den gewinnträchtigen Verkauf des Unternehmens, als Ziel eines Startup-Investments ging. Aber anhand dieser Gespräche vorletzte Woche möchte ich nochmal auf die Funding-Story, also den Weg vor dem Exit kommen. Denn wenn deutsche oder europäische Gründer in einem Aspekt deutlich weniger gut sind als amerikanische, dann ist das in der Darstellung ihrer Idee als attraktive, ja mitreißende Chance für einen Investor, reich zu werden. Die Königsdisziplin in diesem Bezug ist, sein Thema so darstellen zu können, dass ein Investor sogar dann sein Geld einbringen möchte, wenn er sich für das Problem oder das Produkt gar nicht interessiert. Ja, das ist ein Widerspruch zu dem normalerweise von Angels Of Deutschland gepredigten Zusammenhang zwischen Fähigkeiten und Interessen eines Angels und den Teams, in die er investiert. Aber als Gründer auf Kapitalsuche muss es immer Ziel sein, so viele Investoren wie möglich zu packen, nicht nur die, die der eigenen Sache am nächsten stehen. Aus einer Menge derart in den Bann geschlagener Angels die herauspicken zu können, die am meisten zu geben haben, ist dann der Stoff, aus dem die Funding-Träume sind.


Zurück zu den beiden Gründern von vorletzter Woche. Auf die Nachfrage, wie denn aus ihren ambitionierten Produkten ein toller Investment-Case für mich werden könnte, fingen beide an, zu improvisieren. Das Sportgerät könne man zum Beispiel an Touristen vermieten und/ oder Franchise-Nehmern anbieten und dadurch regelmäßige Einkünfte erzielen. Die Getränkemarke könnte von einem Konzern aufgekauft werden. Beides überlegenswerte Szenarien – aber in den Präsentationen waren sie nicht aufgetaucht, und dass, obwohl beide Gründer ja explizit ein Investorengespräch aufgesucht hatten.


Diese Punkte hören sich nach Gründer-Mentoring an, aber wie so oft sind Angels und Startupper im selben Boot. Wer neu im Geschäft ist und bei „Höhle der Löwen“ oder in Crowdfunding-Kampagnen sieht, wie Produkte investiert werden, die offenbar ohne Funding Story auskommen (bzw. bei denen gar nicht nach einer solchen gefragt wird), kann den falschen Eindruck bekommen, dass das letztendlich gar nicht so wichtig sei oder später gemeinsam entwickelt werden könne. Das liegt auch daran, dass die Entwicklung einer Funding Story den meisten Gründern nicht in den Schoß fällt, anders als die Begeisterung für ihr Produkt. Sie gehört zu den leider doch recht vielen unangenehmen Dingen, zu denen man sich als Gründer zwingen muss, um erfolgreich zu sein, ähnlich wie Online Marketing-Expertise, Mitarbeitergespräche und Markenaufbau über Instagram (letzteres ist das, wovor ich selber immer hart zurückschrecke, obwohl alle sagen, dass Insta ein Muss ist).


Als Angel wird man immer mehr Angebote bekommen, als man investieren kann – wenn man Glück hat, auch Angebote von guten Teams mit sinnvollen Ideen. Den Unterschied kann da für beide Seiten der halbe Tag sein, den ein Gründerteam mit der Selbst-Beantwortung einer einfachen Frage verbracht hat: „Wann wäre unser Investment-Angebot so geil, dass ich Himmel und Hölle in Bewegung setzen würde, um dabei zu sein?“


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